Ähnlichkeiten bei Farbenschlägen der Haustaube bei unterschiedlichen
Erbfaktoren III
Indigo, Andalusier und Dominant Rot
Die eindeutige Zuordnung eines Erscheinungsbildes zu einer genetischen
Konstellation von Erbfaktoren ist auch bei einigen Indigovarianten ein
Problem. Für viele Züchter ist hier schon das Verständnis von „reinerbig“
und „mischerbig“ schwierig. Für denjenigen, der sich mit Vererbungsfragen
nicht befasst hat, ist es unverständlich, dass die auf den Ausstellungen
gezeigten Indigo mit Binden, Indigogehämmerten und dunklen Indigo
mischerbig sind und nicht reinerbig. Das aber haben sie mit dem
Farbenschlag Andalusier gemeinsam. Dies sind auch Tiere mit dem
Indigofaktor, der einzige Unterschied zu den anderen Farbenschlägen ist
der, dass sie den Farbausbreitungsfaktor besitzt.
Reinerbige bindige und gehämmerte Indigo sehen kaum anders aus als
Rotfahle mit Binden und Rotfahlgehämmerte. Reinerbige dunkle Indigo sind
kaum von Dominant Roten, wie man sie z.B. bei Deutschen Schautauben kennt,
zu unterscheiden. Stärker herumgesprochen hat sich die Spalterbigkeit der
Ausstellungstiere für den Farbenschlag Andalusier. Hier ist vielen auch
bekannt, dass reinerbige „Andalusier“ hell silbergrau sind.


Show Racer reinerbig indigo-gehämmert und Pommersche Schaukappe
rotfahlgehämmert, Turkmenischer/Tatschikischer Tümmler rotfahlgehämmert
Bei einer Vortragsveranstaltung wurde die Frage gestellt, ob man denn aus
einem Dominant Roten mit schwarzen Partnern reinerbige Andalusier züchten
könne, wie es geschehen sei. Das widerspricht den genetischen Gesetzen.
Hinter der Frage steckte eine doppelte Fehleinschätzung. Gemeint war
zunächst wohl, ob aus einer solchen Paarung ausstellungsfähige Andalusier
fallen können. Ausstellungsfähig und „als Farbenschlag standardisiert“
wurde (fälschlich) mit reinerbig gleichgesetzt. Das war die eine
Fehleinschätzung. Was nun, wenn doch offensichtlich nach Meinung des
Züchters Andalusier gefallen waren. Ist es dann zumindest möglich,
spalterbige Andalusier zu ziehen? Auch das nicht, und das liegt an der
zweiten Fehleinschätzung. Der vermeintliche Rote war genetisch gar kein
Roter. Er war ganz offenkundig – an seinen Jungtieren erkennbar – ein
reinerbiger dunkler Indigo. Dieser wird den Indigofaktor an seine
Jungtiere weitergeben. Wenn dann noch der Farbausbreitungsfaktor vom
schwarzen Partner dazukommt, dann erhält man Andalusier, und zwar die
spalterbigen Ausstellungstiere.
Noch verzwickter kann es allerdings werden, wenn sich der Indigofaktor
unter Dominant Roten verbirgt, was man den Tieren äußerlich nicht ansieht.
Das ist dann eine andere Ausgangsituation. Aus einer dominant roten Täubin
mit dem nicht erkennbaren Indigofaktor können mit einem schwarzen Täuber,
der den Töchtern die schwarze Grundfarbe und den Ausbreitungsfaktor
vererbt, Andalusier Weibchen fallen.

Quelle:
Генетика голубей. Введение в практическую генетику домашних
голубей,д.э.н., профессор Аксель Зелль
Die Spalterbigkeit der Ausstellungstiere wurde für Andalusier Show Racer
verschiedentlich dokumentiert, zuletzt in der mit deutschem Vorwort
versehenen russischsprachigen Schrift des Verfassers „Genetik der Tauben“
(ISBN 978-3-9812920-2-2). Die Bildmontage spricht auch ohne Verständnis
der Unterschriften für sich. In der ersten Bildzeile ist aufgezeigt, dass
Andalusier aus der Verpaarung von Schwarz mit reinerbigen Andalusiern
(hellgrau) fallen, ein möglicher Zuchtweg. Diese Ausstellungstiere
untereinander verpaart werden wieder im Verhältnis 1:2:1 in Schwarz,
Andalusier und reinerbig Andalusier (hellgrau) aufspalten. Praktiziert
wird auch die Verpaarung spalterbiger Andalusier mit Schwarzen, woraus zur
Hälfte Andalusier und zur Hälfte Schwarze fallen. Auch Paarungen mit
Blauen, Blaugehämmerten, Indigo mit Binden und Indigogehämmerten sind
möglich und werden praktiziert, wobei in der Folge auch diese
Farbenschläge wieder ausspalten werden.
Mimics in the Colorations of the Domestic Pigeon III
A great similarity exists between homozygous barred, checkered and dark
Indigo at the one hand and mealy bars, mealy checks and mealy dark checks,
often referred to as dominant red, at the other hand. Thus the author was
confronted with the question or statement of a fancier who got Andalusian
from a dominant red and a black. There are two different explanations.
Dominant red might cover the trait indigo. In this case in combination
with the black colour and the Spread gene from the black cock from a
dominant red hen and a black cock Andalusian daughters may result. More
probable, however, the supposed dominant red genetically was a homozygous
Indigo dark check, even for experts often hard to differentiate. From such
a mating Andalusian in both sexes will result. Fanciers often are not
aware that Andalusian (Spread Indigo), Indigo bars, Indigo checks and dark
Indigo shown in the standard classes all are heterozygous. For Andalusian
– intermediate between black and silver-grey homozygous “Andalusian” –
this is demonstrated self explaining in a photomontage in the authors’
Russian language brochure on Pigeon Genetics (ISBN 978-3-9812920-2-2).