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Die AOC-Klasse in Nürnberg November 2006

(All other colors (AOC) in Nuremberg)

 

Die AOC-Klasse wurde diesmal auf der VDT sogar im Volierenbereich genutzt. Den Anfang machte eine mit vielfarbigen Deutschen Schautauben besetzte Voliere. Da Almond und andere Erbfaktoren der Almondgruppe bei den Deutschen Schautauben bisher nicht vorhanden waren, handelt es sich um eine echte Neuzüchtung. Umso beachtlicher die Leistung, gleich eine Voliere sehr gleichmäßig gefärbter und schon typischer Tiere stellen zu können. Vielfarbige besitzen genetisch den Almondfaktor, was aber nicht bedeuten muß, dass sie wie der gleichnamige Farbenschlag bei den Englischen Short Faced aussehen müssen. Bei diesem soll das Gefieder mit Ausnahme von Schwingen und Schwanz mandelgelb mit schwarzen Spitzern sein, Schwingen und Schwanz sind im Idealfall dreifarbig, und zwar gelb, weiß und schwarz. Bei den meisten Rassen, bei denen man den Farbenschlag „Vielfarbige“ hat, hat man bewusst nicht die Anforderungen der Short Faced gewählt. Bei den Portugiesischen Tümmlern vielfarbig werden z.B. auf creme- oder mandelfarbigem Grund möglichst gleichmäßig verteilt Sprenkel und Federn in verschiedenen Farben verlangt, ähnlich sind die Formulierungen bei anderen Rassen. Anders als beim Farbenschlag „Almond“ darf das Flügelschild auch mit helleren Federn durchsetzt sein. Ganz ohne Creme- oder Mandelfarbe sollten Vielfarbigen aber nicht sein. Wenn diese Farben fehlen, dann hat man bei silbergrauer Grundfärbung Silbersprenkel vor sich. Diese zeigen auf silbergrauem Grund dunkle Sprenkel, rötliche Einlagerungen wären ein Fehler. Bei den gezeigten vielfarbigen Schautauben steht wohl jetzt die Entscheidung an, sich nach der Verankerung des Almondfaktors in der Rasse für eine dieser Richtungen oder auch für beide zu entscheiden, also zum einen Vielfarbige mit etwas mehr Mandelfarbe im Schild zu züchten und/oder zum anderen Silbersprenkel (oder auch Schwarzsprenkel) zu züchten und dann die Mandel- und Bronzetöne zu verdrängen und dunklere Sprenkel anzustreben.     

 

                

Deutsche Schautauben vielfarbig (5)  Thüringer Schildtauben hellgrau-dunkelgesäumt und schwarz (9)

 

 

Auch die zweite Voliere zeigt, wie interessant und gleichzeitig lehrreich es ist, eine AOC-Klasse zu haben. Besetzt war sie nicht ausschließlich durch hellgrau dunkelgesäumte Thüringer Schildtauben, wie im Katalog angekündigt, sondern zur Hälfte durch Schwarze, die nach Angaben am Käfig spalterbig für dunkelgesäumt waren und die Paarungsmöglichkeiten aufzeigen sollten. Man kann die Dunkelgesäumten, genetisch Reducedfarbene mit dem Farbausbreitungsfaktor, untereinander verpaaren und wird daraus ausschließlich Dunkelgesäumte züchten, man kann sie aber auch mit spalterbigen Schwarzen verpaaren und wird daraus zu 50% spalterbige Schwarze und zu 50% Dunkelgesäumte ziehen. Zfr. Muchow hatte auf einer Schautafel am Käfig den Zuchtweg aufgezeigt. Die Mischung im Käfig in Kombination eines anerkannten mit einem noch nicht anerkannten Farbenschlag wurde der Voliere vermutlich zum Verhängnis, daher blieb sie zwar ohne Bewertung, aber nicht ohne werbenden Effekt.

Bei den Einzeltieren standen gleich zu Beginn braunfahlgehämmerte Römer, die auch überwiegend den Braunton einschließlich de braunen Schwanzbinde zeigten, eine Täubin davon etwas heller und möglicherweise sogar eine Kkahikfahlgehämmerte. Bei den Montauban hat man sich schon daran gewöhnt, dass in der regulären Klasse mehr AOC-Klasse Tiere stehen als in der AOC mit den hier gemeldeten Dun-Gescheckten. So fanden sich nicht nur unter den nicht im Standard geführten Dun-Schecken der regulären Klasse  zudem etliche, die nicht als Schecken, sondern als Musel- und Rieselköpfe in die AOC-Klasse gehört hätten. Das gilt auch für die andersfarbigen Schecken. Das wird spätestens dann, wenn es um Meisterschaften geht, zu Problemen führen. Bei den Cauchois drei Gelbfahlgehämmerte, davon zwei im Sg-Bereich, während sich der laut Katalog Gelbfahl-Sulfurgeschuppte als Blaufahl-Sulfurgeschuppter entpuppte.

 

   

Römer braunfahlgehämmert (264)                                      Cauchois Gelbfahlgehämmert (721)

 

Unter den Briver Schwarzköpfen standen nach den Schwarzgemaserten gleich fünf in der AOC als Blaugemaserte, die beste Jungtäubin davon mit sg 95 E herausgestellt. Das Zeichnungsspiel zwischen etwas dunklerer und etwas hellerer Säumung entsprach in dieser kleinen Kollektion dem, was auch bei Schwarzgemaserten zu sehen war.

 

     

Briver Blaukopf 0,1 (1960)                                          Briver Schwarzkopf (1949) NI 1,

 

Bei den Texanern wurden in der AOC zwei rotfahl dunkel gehämmerte 0,1 gezeigt, die ein etwas volleres Schild als die rotfahlgehämmerten Täubinnen in der allgemeinen Klasse hatten, beide mit sg 94 und sg 95 im hohen Notenbereich. Die im Katalog angekündigten Hellblauen ohne Binden bei den Mährischen Strassern hatten sich durch normale Blaue ohne Binden vertreten lassen, was im Katalog allerdings nicht ersichtlich war. Dem als Dominant Rot gemeldeten Prachener Kanik sah man das dominante und damit in Schwingen und Schwanz aufgehellte dominante Rot zumindest nicht an, denn der Schwanz war wie bei einem rezessiv Roten tief rot gefärbt. Interessant die 1,1 silber Syrischen Wammentauben, über die auf dieser Homepage (unter Genetik – Sonderberichte) bereits vor längerer Zeit berichtet wurde. Genetisch dürfte es vermutlich in Richtung Qualmond oder einen ähnlichen Faktor gehen.

 

  

Syrische Wammentaube silber 1,0 (3490)                                             Kingtaube lavendel (5887) 

 

Bei den Kingtauben gibt es selbst nach der Anerkennung vieler Farbenschläge noch immer Bewegung in der AOC-Klasse. Gemeldet war ein „Lavendel“ mit hv 96 E und, ohne Farbbezeichung, ein Aschfahler, der bei einigen Rassen aufgrund der rötlichen Säumung im Schild als „Strawberry = erdbeerfarbig“ einzuordnen wäre. Lavendel ist in den USA die Bezeichnung für das Lahore-Silber bei verschiedenen Rassen, umfasst dabei in der Regel aber auch bläuliche Varianten der Aschfahlen. Bei dem gezeigten Tier dürfte es sich um das Lahore-Silber gehandelt haben. Bei den Deutschen Modenesern hochfein in der Färbung zwei Gazzi in khakifahl und khakifahlgehämmert. Auch bei den Pommerschen Kröpfern mit dungetigert und rotgestorcht ansprechende Färbungen. In der AOC-Klasse der Sächsischen Kröpfer eine gut aufgelegte dunkle Täubin mit sg 94. Von den als dunkelgeherzt gemeldeten Norwichkröpfern entpuppte sich einer als schwarzgeherzt.

 

  

Marchenerokröpfer „vielfarbig“ (12076)   Rafenokröpfer khaki (12113) ´Sevillanokröpfer Ember? (12129)

 

Bei den Marchenerokröpfer konnte man sich wieder an den verschiedenen, sonst nicht gezeigten Farbkombination wie Braunfahlschimmel, Braunfahlgehämmertschimmel und anderen erfreuen. Der vielfarbige 1,0 (187) gehörte genetisch sicherlich zur Gruppe der Allele des Almondfaktors. Optisch ging er aber in die Richtung von Faded und, wegen der im Schild stärkeren Aufhellung, auch in Richtung Qualmond. Das war noch deutlicher bei den in der AOC gezeigten Silberprenkeln, bei denen auch die Schwingen wie das übrige Gefieder pfeffrig aufgehellt waren. Bei den Jiennensekröpfern erschienen Blauschimmel und Blaugehämmerte als noch nicht anerkannte Farbenschläge neben einem als AOC rot gemeldeten Täuber, der weiß mit rötlicher angedeuteter Maserung war und ein reinerbiger Kennfarbiger sein könnte. Von außen ohne weitere Informationen schwer einzuschätzen, denn auch Täuber, die eine Kombination von Kennfarbigkeit und Qualmond darstellen oder einer ähnlichen Kombination entstammen, können so aussehen. Bei den Rafenokröpfern standen zwei als khaki gemeldete Tiere mit einer sehr hellen Khakifarbe, von denen die Täubin eine Khakifahlgehämmerte, genauer eine Khakifahldunkelgehämmerte war. Auch die Sevillanokröpfer waren in der AOC-Klasse vertreten, und zwar waren es Rote, in Klammern dazu gesetzt rezessiv rot. Wie es sich für solch urigen Gesellen gehört, waren es keine gewöhnlichen Rezessiv Roten. Farblich gingen sie etwas ins Bräunliche. Der eine hatte zudem Aufhellungen in den Schwanzfedern, der zweite ähnelte stark den braun-bronze Anatolischen Ringschlägern und entsprach farblich dem, was in den USA zur Zeit als „Ember“ diskutiert wird, wobei man sich noch nicht einig darüber ist, ob es sich um ein Allel von rezessiv Rot handelt oder ob es sich um rezessiv Rote  mit zusätzlichen die Färbung verändernden Faktoren handelt, wobei die Wandlung von rezessiv Rot zu einem bräunlichen oder auch andere Ton im Verlauf der Mauser einsetzt. Über den Faktor wurde auf dieser Homepage mit einigen Bildern bereits berichtet (siehe unter dem Balken Genetik – Sonderberichte). Auch der schwarze Granadinokröpfer hätte in die AOC gehört (oder nach den immer noch restriktiven Regeln für die AOC) gar nicht gezeigt werden dürfen, denn er wies bei genauerem Hinsehen einen deutlichen grauen Ton auf, vielleicht ein Hinweis auf spalterbig Faded, vielleicht auch etwas völlig neues.

 

Nachdem die Niederbayrischen Kröpfer in kupfer-schwarzflügel anerkannt sind erschienen sie jetzt zusätzlich in der AOC als Kupferschwarzflügel mit weißen Spitzen, auch hier ein Tier bereits mit sg 94 Z ausgezeichnet. Bei den Amsterdamer Kröpfern machten je ein Einzeltier in rotgeherzt und gelbgeherzt in sehr guter Qualität (hv 96 E und sg 94 Z) darauf aufmerksam, dass es sie noch gibt. Es ist schade, dass diese schöne Variante kein Standardfarbenschlag und dadurch doch in der Verbreitung gehandicapt ist. Süddeutsche Schildtauben in blau-bronze geschuppt machten wiederum in sg Qualität in der AOC-Klasse auf sich aufmerksam. Daneben standen aus dem gleichen Schlag in der regulären Klasse Blau- Rosageschuppte, bemerkenswert deshalb, weil die Blau-Bronzegeschuppten in der Taubenzucht ganz allgemein einen alten Farbenschlag darstellen und die Rosa-Geschuppen eher das Neue verkörpern. Nürnberger Schwalben in Rotfahlgehämmert standen einmal in der allgemeinen Klasse und einmal in der AOC-Klasse und demonstrierten damit gleichzeitig, wie unglücklich die geltenden AAB sind, die es nicht erlauben, diesen genetisch unproblematischen Zwischenfarbenschlag von Rotfahl und Blaugehämmert automatisch als einen anerkannten Farbenschläge auszustellen. Das gilt im übrigen auch für die beiden Gelbfahlgehämmerten, farblich waren beide sogar ohne unerwünschten Blaustich.

 

             

Nürnberger Schwalbe gelbfahlgehämmert (16066)    Arabische Trommeltaube rotfahl-gescheckt (18608)

 

Bei den Einfarbigen Luzerner Tauben ein einzelner typischer Blauschimmel mit sg 94 Punkten. Auch die Arabischen Trommeltauben wiesen eine AOC-Klasse auf, und zwar fanden sich dort zwei gescheckte Rotfahle. Es handelt sich um typische Fleckenschecken, die bisher bei den Arabischen Trommeltauben nur in Schwarz, Blau, Dominant Rot und Dominant Gelb anerkannt sind, bei Kreuzungen der verschiedenen Farbenschlägen aber jederzeit auch auf anderer Färbungsgrundlage auftreten können. Das ist auch einer der Gründe, warum man Schecken bei den Deutschen Schautauben gleich bei allen Grundfarbenschlägen mit einigen sinnvollen Ausnahmen, z.B. nicht bei den Tigern, im Standard anerkannt hat. Bei den Chinesentauben stand ein einsamer Täuber blau ohne Binden mit sg 95, der aus der gleichen Zucht allerdings mit den Blauen mit Binden geeignete Partner in sehr guter Qualität zur Verfügung hat, so dass man um das Fortbestehen dieses schönen Farbenschlages nicht bangen muss. Das bereits vor einigen Jahren angelaufene Anerkennungsverfahren durch Prof. Bartelt, aus dessen Zucht auch die im Buch „Vererbung bei Tauben“ zur Illustration des Erbganges von bindig und hohlig abgebildeten Tauben stammen, konnte damals gesundheitsbedingt nicht zu Ende geführt werden. Einfarbige Mövchen in andalusierfarbig standen mit einem 1,0 außer in der Sichtung auch in der AOC-Klasse, daneben noch eine dunkle Täubin mit sg 95 Punkten.

 

        

Chinesentaube blau ohne Binden (20230)            Einfarbig Mövchen dunkel (21247)

 

Die gelben Kiebitze bei den Altösterreichischen Tümmler kamen nicht zu höheren Ehren, weil sie nicht das dunkle Auge der anderen Farbenschläge zeigten. Das ist aber nur eine Frage der Zeit, da aus der gleichen Zucht schwarze Kiebitze in guter Qualität verfügbar sind. Wahrscheinlich hatten die Gelben die Perlaugen noch als Erinnerung an die Wiener Tümmlern als ihre Ahnen.

Bei den Orientalischen Rollern fanden sich einige Farbenschläge, die ohne Hintergrundwissen kaum einzuordnen waren. Die in der AOC-Klasse als aschgelb ausgestellten Täuber dürften nach dem Erscheinungsbild zu urteilen tatsächlich verdünntfarbene Aschfahle sein, was mit der Benennung auch zum Ausdruck gebracht werden sollten. Sie werden mitunter auch „Creme“ genannt, was aber eher auf eine sehr zarte und helle Färbung hindeutet, die hier nicht gegeben war. Einige der Täuber schienen auch spalterbig für die schwarze Grundfarbe zu sein, was sich in feinen Tintenspritzern zeigte und auch die im Vergleich zu anderen Aschfahlen dunklere Färbung erklären kann. Bei den Täubinnen tauchten durch die deutliche Bindenzeichnung z.T. Zweifel auf, ob es überhaupt Aschgelbe und nicht doch dunklere Gelbfahlbindige sind. Dass es sich bei den Täubern um verdünnte Aschfahle handelt wird durch die nachfolgend als „indigo-gehämmert“ ausgestellten Tiere noch plausibler. Es waren keine Indigo. Im Käfig stand die ganz dunkle Variante der Aschfahlen, die im Buch „Taubenfärbungen“ aus der eigenen Zucht als „Mahagoni“ abgebildet wurde. Mit Indigo und Andalusier haben diese Tiere nichts zu tun. Die Variationsbreite der Färbung der Aschfahlen ist verblüffend weit, so dass man einige von ihnen auch mit Dun und Braun verwechseln kann. Der Verfasser selbst hat im übrigen auch bei seinen ersten spalterbigen Aschfahlen (Spread Ash) zu einer Zeit, als man in Deutschland Andalusier nur aus der amerikanischen Literatur kannte, nicht ausschließen wollen, dass einige der „Lilafahlen“, wie man sie früher zum Teil in Danziger-Kreisen nannte, Andalusier sein könnten. Wenn man den Verdünnungsfaktor auf solche „Mahagoni“ überträgt, dann kann eigentlich nichts anderes herauskommen als solche relativ dunkel und mit Gold bzw. Sulfur durchsetzten „Aschgelben“.

 

  

Orientalischer Roller 1,0 aschgelb (24610)            Orientalischer Roller mahagoni (dunkel aschfahl) (24616)

 

Der auch noch gezeigte „Strawberry“ zeigte mit der dunkleren Säumung im Schild und dem dunkleren Hals und Kopf den Übergang von den dunkleren zu den helleren Typen der Aschfahlen, die in der regulären Klasse in größerer Zahl und sauber gefärbt zu sehen waren.

 

           

Orientalischer Roller Strawberry  (24617)                Show Racer hellblau mit Binden (28512)

 

Bei den Anatolischen Ringschlägern wurden Rotgescheckte und wurde, wie schon vor einigen Jahren, auch ein Blauer mit bronze Binden gemeldet. Der dominant Opalfarbene Show Racer war genetisch durchaus als Dominant Opal zu erkennen. Die Farbenschlagbezeichnung für die gezeigte Färbung ist bei anderen Rassen allerdings hellblau mit weißen Binden. Erst nach der Schau im Katalog wurde entdeckt, dass auch mehllichte (genetisch Blaufahle plus Ockerbrust) und Blaufahlgehämmerte (im Gegensatz zu Gelerchten ohne Ockerbrust) bei den Deutschen Schautauben gemeldet waren. Etwas versteckt, schon nach den Rotfahlen mit Binden eingeordnet, waren auch sechs Rotfahle ohne Binden im Katalog zu finden. Auch bei den Pfautauben wurden einige Raritäten, wie Andalusier mit weißem Fächer (sg 95 E), verpasst.

Insgesamt eine reichhaltige Palette interessanter Farbenschläge, über die man sich ohne eine AOC-Klasse nicht hätte austauschen können.