Bei einer so gewaltigen Schau lässt sich gar nicht
alles nennen, was bemerkenswert ist. Es kann nur subjektiv und selektiv
das eine oder andere genannt werden, was unter genetischem Gesichtspunkt
neue Erkenntnisse bringt, Fragen aufwirft oder sonst diskussionswürdig
erscheint und nicht schon bei der Darstellung der Neuzüchtungen und der
AOC-Klasse erwähnt wurde. Ins Auge fallend und nicht unbedingt ein
genetisches Thema die gleichmäßig ausgefärbt besetzte Voliere mit
rotbäuchigen Krasnodarer Tümmlern in der Eingangshalle und an
späterer Stelle eine Voliere mit Chinesischen Tümmlern, denen man
Taubenpfeifen aufgesetzt hatte. Züchterisch wieder interessant die Voliere
der Orientalischen Roller, in denen sich neben den Vielfarbigen mit
DeRoy und Kites auch Nebenfarben der Vielfarbigen- und Almondzucht
befanden.

Krasnodarer Tümmler rotbäuchig (19)
Orientalische Roller (16)
Chinesische Tümmler
Wenn man für das Thema sensibilisiert wurde, dann
fällt einem bei etlichen Rassen auf, dass sich zwischen die
rezessiv Gelben einzelne Tiere mit einem dunkleren Farbton mischen, der
Faktor Gold auf dem Vormarsch zu sein scheint. Das trifftl unter anderem auch
bei den gelben Römern zu, bei denen genetisch nicht alle, wie
gemeldet, gelb
waren und tendenziell die Dunkleren (Goldenen) auch stärker zu Haarfedern
neigten. Zu einem Problem und Streitpunkt kann die Mischung der beiden
Farbenschläge Gelb und Gold spätestens dann werden, wenn es einmal um
Meisterschaften geht und die Meisterschaft möglicherweise de facto durch
zwei Farbenschläge erreicht (Gelb und Gold) wurde, von denen der eine noch
nicht einmal anerkannt ist.

Römer gelb (230) und Römer gold (231)
Bei den Cauchois wurden über 300 Tiere und
damit auch die seltenen Färbungen zum Teil in beachtlicher Zahl gezeigt.
Bei den 37 Schwarzen wechselten sich Tiere mit Bavette und die selten zu
sehenden Tiere ohne Bavette ab. Dass so kurz nach der Anerkennung der
"Kennfarbig Dunklen" so viele davon auf den Schauen zu sehen sein würden,
hätte auch kaum jemand bei den Texanern vermutet, hier allein 40
Täuber mit z.T. sehr kontrastreicher Sprenkelung. Auch die dazu gehörenden
blauen, gehämmerten und schwarzen Täubinnen erreichten mit zusammen 41
Nummern ein ähnliches Meldeergebnis.

Cauchois schwarz ohne Bavette (755) und mit Bavette (759)

Texaner kennfarbig dunkel 1,0 (1987) Texaner schwarz 0,1
(2027)
Die Kollektion der andalusierfarbenen Kingtauben
bestach durch die tiefen und intensiven Farben, was nicht immer so zu
sehen war, oft sind insbesondere die Schwingen ins Fahle aufgehellt
gewesen. Unter den Modena Magnani waren neben Vielfarbigen auch
vier Silbersprenkel und jeweils ein Braunsprenkel sowie ein Gelbsprenkel
gemeldet. Dazu eine Vorbemerkung. Neben den Silbersprenkeln gibt es laut
Standard noch Sprenkel mit weißer Grundfarbe und gelben, roten oder
schwarzer Sprenkeln. Von Braun ist nicht die Rede und im Käfig stand dann
auch kein Braunsprenkel, sondern ein im Laufe seines Lebens
nachgedunkelter Vielfarbiger. Der „Gelbsprenkel“ zeigte nur einige farbige
Abzeichen im Hals und am Kopf und hätte bei den Texanern als reinerbiger
kennfarbiger Täuber durchgehen können, die Silbersprenkel waren dagegen
typisch, wurden aber nicht so gut benotet wie der Gelbsprenkel.
Mondena Vielfarbig alt (als Braunsprenkel gemeldet) 1,0
(6402) Modena mit Almondfaktor 1,0 jung (als Gelbsprenkel gemeldet)
(6401)

Modena Silbersprenkel 1,0 alt (6404)
Auch bei den Spanischen Kropftaubenrassen fand man
Überraschungen selbst in der allgemeinen Klasse, nicht nur in der
AOC-Klasse. Während die rauchblauen Täuber der Sevillanokröpfer das
typische und darüber hinaus ein sehr klares Smoky-Blau zeigten, war die
Täubin eher wie eine blaue Kennfarbige (Faded) gefärbt. Und auch bei den
Granadinakröpfern stand im Käfig 12132 kein Schwarzer, sondern ein
deutlich davon abweichend grau gefärbter Täuber, der an einige schwarze
kennfarbige Weibchen der Texaner denken ließ. Diese Färbung zeigen auch
die für Kennfarbigkeit spalterbigen schwarzen Täuber. Der Züchter wird
mehr darüber wissen.

Granadinokröpfer „schwarz“ (12132) und Sevillanokröpfer
0,1„rauchblau“ (12127)
Bei den Feldfarbentauben wurden wiederum die
vor kurzem anerkannten weißbindigen Andalusierfarbigen gezeigt und bei den
Startauben gleich eine ganze Gruppe Starhälse rot, die schon von Christian
Ludwig Brehm 1857 als ausgesprochen selten erwähnt wurden und
zwischenzeitlich nur durch die Literatur geisterten, ohne dass sie jemand
gesehen hätte. Nun, sie existieren und wurden in den vergangenen Jahren
schon verschiedentlich gezeigt, aber nicht so öffentlichkeitswirksam wie
hier auf der VDT in Nürnberg. Die Probleme in der Zucht wurden bei einem
Tier mit einer sich um den Hals und in den Nacken ausdehnenden
Mondzeichnung deutlich. Eine eindrucksvolle Demonstration ihrer Existenz,
und das in guter Qualität.

Feldfarbentaube andalusierfarbig mit weißen Binden (14584)
Startaube Starhals rot (14404) Bild 022
Über 170 Orientalische Mövchen einschließlich
ihrer engeren Verwandten wurden gezeigt, darunter auch jeweils zwei der
seltenen Vizormövchen und Dominomövchen.

Dominomövchen schwarz (21440)
Bei den Dänischen Tümmlern werden in letzter
Zeit die in Dänemark als „Perlede“ und in Deutschland als „perlblau“
anerkannten Dänischen Tümmler als „blaufahl“ ausgestellt. Blaufahle sind
in Deutschland zwar auch anerkannt, sehen aber anders aus und werden noch
seltener als Perlblaue gezeigt. „Perlede“ sollen eine helle Silberfärbung
besitzen, Blaufahle zeigen insbesondere im Hals, aber auch im übrigen
Gefieder eine kräftigere blaufahle Färbung. Vielleicht handelt es sich um
einen Softwarefehler für die Katalogerstellung? Der Unterschied wird beim
Vergleich eines blaufahlen Kölner Tümmlers mit einem perlblauen Dänischen
Tümmler unmittelbar deutlich. Bei den Danziger Hochfliegern beachtlich die
seltenen schwarzgetigerten Danziger Hochflieger, und das sogar mit hellen
Schnäbeln, einer davon mit V97 EB ausgezeichnet. Dazu noch ein farblich
korrekter typhafter Rottiger

Dänischer Tümmler perlblau mit Binden (21590) und Kölner
Tümmler blaufahl mit Binden (22615) Danziger Hochflieger schwarzgetigert
(22221)
Bei den Orientalischen Rollern werden neben
den Hauptfarben schwarz, rot und gelb auch immer in großer Zahl Fahle
gezeigt, so auch in Nürnberg. Früher waren es vor allem Blau- und
Gelbfahle mit Binden, heute auch verstärkt Blaufahlgehämmerte und
Rotfahle, und diesmal waren auch zwei farblich schöne Gelbfahlgehämmerte
dabei sowie die erst kürzlich anerkannten Aschfahlen. Die Fahlen sind in
den letzten Jahre etwas in die Diskussion geraten, und das nicht nur bei
den Orientalischen, es betrifft gleichermaßen andere Rollerrassen und auch
weitere Tümmlerrassen. Bei den meisten Tümmlerrassen wird im Standard ein
heller Schnabel gefordert, der bei Schwarzen und bei Blauen mit Binden nur
durch den Faktor Smoky zu erreichen ist. Der Faktor läßt bei den Blauen
die hellen Abzeichen an den Außenfahnen des Schwanzes verschwinden und
erlaubt gleichzeitig einen durchgefärbten Rücken. Die Schwarzen und Blauen
besitzen dann auch regelmäßig den Smoky-Faktor. Nun haben Blaufahle und
Blaufahlgehämmerte sowie Gelbfahle und Gelbfahlgehämmerte einen hellen
Schnabel auch dann, wenn Smoky nicht vorhanden ist. Das liegt darin, dass
sie den Verdünnungsfaktor haben, der auch eine Aufhellung des Schnabels
bewirkt. Die meisten Tiere dieser Farbenschläge sind dann auch nicht
Smoky, was es leichter macht, eine attraktive helle Färbung zu erhalten.
Ist der helle Schnabel nun ein Wachsschnabel, wie er in der
Musterbeschreibung gefordert wird? Bei den Rotfahlen ist das Problem
gravierender. Auch reinerbige rotfahle Täuber können einen hellen Schnabel
besitzen, ohne dass Smoky vorhanden ist. Bei den Weibchen ist das dagegen
nur schwer ohne Smoky zu erreichen. Sie haben meist einen dunklen
Schnabel. Inzwischen werden bei den Rotfahlen nebeneinander solche mit
Smoky-Faktor (dunkler in der Federfärbung, heller im Schnabel) und solche
ohne Smoky-Faktor gezeigt. Aus der Musterbeschreibung lässt sich nicht
ersehen, welche Färbung vorgezogen werden sollte, so dass man sie als
gleichwertig betrachten muß, wenn denn der helle Schnabel der nicht den
Smoky-Faktor besitzenden Tiere als Wachsschnabel akzeptiert wird.

Orientalischer Roller gelbfahlgehämmert (24549)
Englischer Short Faced Tümmler 1,0 (2355)
Englische Short Faced Tümmler waren wiederum
mit den Komplementärfarben und einem der seltenen roten Weißköpfe
erschienen. Die für Almond und auch für die Vielfarbigen angestrebte
„Mandelfarbe“ wird noch kontrovers wie zu Zeiten Fultons 1876 diskutiert,
da der Hinweis auf die Schale der Almondnuss nicht ausreicht, da sich
diese je nach Reifestadium verändert, wie auch die Almondfärbung unserer
Tauben. Einen sehr schönen Farbton (subjektiv) verkörperte der mit V97 EB
herausgestellte Alttäuber, der auch in Schwingen und Schwanz die drei
Färbungen Weiß, Schwarz und Gelb, die sogenannten Musterfedern, zeigte.