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Bemerkenswertes aus der allgemeinen Klasse auf der VDT in Nürnberg November 2006  

(Specifics in the general class Nuremberg 2006)

Bei einer so gewaltigen Schau lässt sich gar nicht alles nennen, was bemerkenswert ist. Es kann nur subjektiv und selektiv das eine oder andere genannt werden, was unter genetischem Gesichtspunkt neue Erkenntnisse bringt, Fragen aufwirft oder sonst diskussionswürdig erscheint und nicht schon bei der Darstellung der Neuzüchtungen und der AOC-Klasse erwähnt wurde. Ins Auge fallend und nicht unbedingt ein genetisches Thema die gleichmäßig ausgefärbt besetzte Voliere mit rotbäuchigen Krasnodarer Tümmlern in der Eingangshalle und an späterer Stelle eine Voliere mit Chinesischen Tümmlern, denen man Taubenpfeifen aufgesetzt hatte. Züchterisch wieder interessant die Voliere der Orientalischen Roller, in denen sich neben den Vielfarbigen mit DeRoy und Kites auch Nebenfarben der Vielfarbigen- und Almondzucht befanden.

Krasnodarer Tümmler rotbäuchig (19)                          Orientalische Roller (16)                                               Chinesische Tümmler  

 Wenn man für das Thema sensibilisiert wurde, dann fällt einem bei etlichen Rassen auf, dass sich zwischen die rezessiv Gelben einzelne Tiere mit einem dunkleren Farbton mischen, der Faktor Gold auf dem Vormarsch zu sein scheint. Das trifftl unter anderem auch bei den gelben Römern zu, bei denen genetisch nicht alle, wie gemeldet, gelb waren und tendenziell die Dunkleren (Goldenen) auch stärker zu Haarfedern neigten. Zu einem Problem und Streitpunkt kann die Mischung der beiden Farbenschläge Gelb und Gold spätestens dann werden, wenn es einmal um Meisterschaften geht und die Meisterschaft möglicherweise de facto durch zwei Farbenschläge erreicht (Gelb und Gold) wurde, von denen der eine noch nicht einmal anerkannt ist.

   

Römer gelb (230)  und Römer gold (231)

 Bei den Cauchois wurden über 300 Tiere und damit auch die seltenen Färbungen zum Teil in beachtlicher Zahl gezeigt. Bei den 37 Schwarzen wechselten sich Tiere mit Bavette und die selten zu sehenden Tiere ohne Bavette ab. Dass so kurz nach der Anerkennung der "Kennfarbig Dunklen" so viele davon auf den Schauen zu sehen sein würden, hätte auch kaum jemand bei den Texanern vermutet, hier allein 40 Täuber mit z.T. sehr kontrastreicher Sprenkelung. Auch die dazu gehörenden blauen, gehämmerten und schwarzen Täubinnen erreichten mit zusammen 41 Nummern ein ähnliches Meldeergebnis.

  

Cauchois schwarz ohne Bavette (755) und mit Bavette (759)

 

  

Texaner kennfarbig dunkel 1,0 (1987) Texaner schwarz 0,1 (2027)

 Die Kollektion der andalusierfarbenen Kingtauben bestach durch die tiefen und intensiven Farben, was nicht immer so zu sehen war, oft sind insbesondere die Schwingen ins Fahle aufgehellt gewesen. Unter den Modena Magnani waren neben Vielfarbigen auch vier Silbersprenkel und jeweils ein Braunsprenkel sowie ein Gelbsprenkel gemeldet. Dazu eine Vorbemerkung. Neben den Silbersprenkeln gibt es laut Standard noch Sprenkel mit weißer Grundfarbe und gelben, roten oder schwarzer Sprenkeln. Von Braun ist nicht die Rede und im Käfig stand dann auch kein Braunsprenkel, sondern ein im Laufe seines Lebens nachgedunkelter Vielfarbiger. Der „Gelbsprenkel“ zeigte nur einige farbige Abzeichen im Hals und am Kopf und hätte bei den Texanern als reinerbiger kennfarbiger Täuber durchgehen können, die Silbersprenkel waren dagegen typisch, wurden aber nicht so gut benotet wie der Gelbsprenkel.

    

Mondena Vielfarbig alt (als Braunsprenkel gemeldet) 1,0 (6402)  Modena mit Almondfaktor 1,0 jung (als Gelbsprenkel gemeldet)   (6401)

 

 Modena Silbersprenkel 1,0 alt (6404)

 Auch bei den Spanischen Kropftaubenrassen fand man Überraschungen selbst in der allgemeinen Klasse, nicht nur in der AOC-Klasse. Während die rauchblauen Täuber der Sevillanokröpfer das typische und darüber hinaus ein sehr klares Smoky-Blau zeigten, war die Täubin eher wie eine blaue Kennfarbige (Faded) gefärbt. Und auch bei den Granadinakröpfern stand im Käfig 12132 kein Schwarzer, sondern ein deutlich davon abweichend grau gefärbter Täuber, der an einige schwarze kennfarbige Weibchen der Texaner denken ließ. Diese Färbung zeigen auch die für Kennfarbigkeit spalterbigen schwarzen Täuber. Der Züchter wird mehr darüber wissen.

  

Granadinokröpfer „schwarz“ (12132) und Sevillanokröpfer 0,1„rauchblau“ (12127)

 Bei den Feldfarbentauben wurden wiederum die vor kurzem anerkannten weißbindigen Andalusierfarbigen gezeigt und bei den Startauben gleich eine ganze Gruppe Starhälse rot, die schon von Christian Ludwig Brehm 1857 als ausgesprochen selten erwähnt wurden und zwischenzeitlich nur durch die Literatur geisterten, ohne dass sie jemand gesehen hätte. Nun, sie existieren und wurden in den vergangenen Jahren schon verschiedentlich gezeigt, aber nicht so öffentlichkeitswirksam wie hier auf der VDT in Nürnberg. Die Probleme in der Zucht wurden bei einem Tier mit einer sich um den Hals und in den Nacken ausdehnenden Mondzeichnung deutlich. Eine eindrucksvolle Demonstration ihrer Existenz, und das in guter Qualität.

   

Feldfarbentaube andalusierfarbig mit weißen Binden (14584)  Startaube Starhals rot (14404) Bild 022

 Über 170 Orientalische Mövchen einschließlich ihrer engeren Verwandten wurden gezeigt, darunter auch jeweils zwei der seltenen Vizormövchen und Dominomövchen.

 

Dominomövchen schwarz (21440)

 Bei den Dänischen Tümmlern werden in letzter Zeit die in Dänemark als „Perlede“ und in Deutschland als „perlblau“ anerkannten Dänischen Tümmler als „blaufahl“ ausgestellt. Blaufahle sind in Deutschland zwar auch anerkannt, sehen aber anders aus und werden noch seltener als Perlblaue gezeigt. „Perlede“ sollen eine helle Silberfärbung besitzen, Blaufahle zeigen insbesondere im Hals, aber auch im übrigen Gefieder eine kräftigere blaufahle Färbung. Vielleicht handelt es sich um einen Softwarefehler für die Katalogerstellung? Der Unterschied wird beim Vergleich eines blaufahlen Kölner Tümmlers mit einem perlblauen Dänischen Tümmler unmittelbar deutlich. Bei den Danziger Hochfliegern beachtlich die seltenen schwarzgetigerten Danziger Hochflieger, und das sogar mit hellen Schnäbeln, einer davon mit V97 EB ausgezeichnet. Dazu noch ein farblich korrekter typhafter Rottiger

     

Dänischer Tümmler perlblau mit Binden (21590) und Kölner Tümmler blaufahl mit Binden (22615) Danziger Hochflieger schwarzgetigert (22221)

 Bei den Orientalischen Rollern werden neben den Hauptfarben schwarz, rot und gelb auch immer in großer Zahl Fahle gezeigt, so auch in Nürnberg. Früher waren es vor allem Blau- und Gelbfahle mit Binden, heute auch verstärkt Blaufahlgehämmerte und Rotfahle, und diesmal waren auch zwei farblich schöne Gelbfahlgehämmerte dabei sowie die erst kürzlich anerkannten Aschfahlen. Die Fahlen sind in den letzten Jahre etwas in die Diskussion geraten, und das nicht nur bei den Orientalischen, es betrifft gleichermaßen andere Rollerrassen und auch weitere Tümmlerrassen. Bei den meisten Tümmlerrassen wird im Standard ein heller Schnabel gefordert, der bei Schwarzen und bei Blauen mit Binden nur durch den Faktor Smoky zu erreichen ist. Der Faktor läßt bei den Blauen die hellen Abzeichen an den Außenfahnen des Schwanzes verschwinden und erlaubt gleichzeitig einen durchgefärbten Rücken. Die Schwarzen und Blauen besitzen dann auch regelmäßig den Smoky-Faktor. Nun haben Blaufahle und Blaufahlgehämmerte sowie Gelbfahle und Gelbfahlgehämmerte einen hellen Schnabel auch dann, wenn Smoky nicht vorhanden ist.  Das liegt darin, dass sie den Verdünnungsfaktor haben, der auch eine Aufhellung des Schnabels bewirkt. Die meisten Tiere dieser Farbenschläge sind dann auch nicht Smoky, was es leichter macht, eine attraktive helle Färbung zu erhalten. Ist der helle Schnabel nun ein Wachsschnabel, wie er in der Musterbeschreibung gefordert wird? Bei den Rotfahlen ist das Problem gravierender. Auch reinerbige rotfahle Täuber können einen hellen Schnabel besitzen, ohne dass Smoky vorhanden ist. Bei den Weibchen ist das dagegen nur schwer ohne Smoky zu erreichen. Sie haben meist einen dunklen Schnabel. Inzwischen werden bei den Rotfahlen nebeneinander solche mit Smoky-Faktor (dunkler in der Federfärbung, heller im Schnabel) und solche ohne Smoky-Faktor gezeigt. Aus der Musterbeschreibung lässt sich nicht ersehen, welche Färbung vorgezogen werden sollte, so dass man sie als gleichwertig betrachten muß, wenn denn der helle Schnabel der nicht den Smoky-Faktor besitzenden Tiere als Wachsschnabel akzeptiert wird.

   

Orientalischer Roller gelbfahlgehämmert (24549)    Englischer Short Faced Tümmler 1,0 (2355)

 Englische Short Faced Tümmler waren wiederum mit den Komplementärfarben und einem der seltenen roten Weißköpfe erschienen. Die für Almond und auch für die Vielfarbigen angestrebte „Mandelfarbe“ wird noch kontrovers wie zu Zeiten Fultons 1876 diskutiert, da der Hinweis auf die Schale der Almondnuss nicht ausreicht, da sich diese je nach Reifestadium verändert, wie auch die Almondfärbung unserer Tauben. Einen sehr schönen Farbton (subjektiv) verkörperte der mit V97 EB herausgestellte Alttäuber, der auch in Schwingen und Schwanz die drei Färbungen Weiß, Schwarz und Gelb, die sogenannten Musterfedern, zeigte.