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Neuzüchtungen und neue Rassen auf der VDT in Nürnberg November 2006

(New colors and new breeds at the VDT in Nuremberg November 2006)

 Bei über 33.000 gemeldeten Nummern von der Voliere Käfig Nr. 1 mit blaubronzegeschuppten Cauchois bis zu einer gelbgesäumten Strasser-Täubin in Käfig 33.524 war die VDT-Schau in Nürnberg wieder ein solches Großereignis, dass es für den Besucher gar nicht möglich war, alles, was ihn interessierte oder interessieren sollte, zu sehen. Da der Katalog am Freitag noch nicht verfügbar sein konnte, wurden viele interessante potentielle Anlaufstationen erst beim Lesen des Katalogs im nachhinein entdeckt und damit leider auch verpasst.

Eine erste Anlaufstelle ist für viele Besucher, nach der selbst gezüchteten Rasse, die Klasse der Neuzüchtungen, die auf der VDT traditionell stärker als auf den anderen beiden Bundesschauen zur Vorstellung genutzt wird und auch hier viel Neues zu bieten hatte. Bei einigen Rassen fanden sich Farbenschläge sowohl in der Klasse der Neuzüchtungen als auch in der AOC. Bei den Neuzüchtungen und neuen ausländischen Rassen wird zwischen Sichtung und Vorstellung unterschieden. Tiere in der Sichtung werden zur allgemeinen Information gezeigt und geben den Verantwortlichen die Möglichkeit, nach dem Eindruck über die gezeigten Tiere weitere Recherchen und Überlegungen anzustellen und bei der dann im Folgejahr ggf. möglichen Vorstellung zu abgewogenen und begründeten Urteilen zu gelangen. Die Tiere in der Sichtung werden daher auch nicht bewertet.

Die Sichtung hinter sich hatten bereits im Vorjahr die Giertauben blaufahl mit Binden gemöncht und die rotfahlgehämmerten Soultzer Hauben, die jetzt in der Bewertung durchweg in den Bereich von g (gut) und sg (sehr gut) eingestuft wurden. Die weißen Soultzer Hauben standen dagegen noch in der Sichtung, eine Alttäubin zeigte schon, in welche Richtung die Zucht geht.

   

                Giertaube blaufahl mit Binden gemöncht (26320)              Soultzer Haube weiß (26323)

Die zur Vorstellung angetretenen Carrier in schwarzschimmel, blauschimmel und rotschimmel waren eine wilde Gesellschaft und ließen sich auch kaum für die Nachwelt im Foto festhalten. Insbesondere auf die Schwarzschimmel konnte man gespannt sein, da diese keine geläufige Farbenschlagbezeichnung ist. In den Käfigen standen dann auch keine Tiere, die man üblicherweise mit „Schimmel“ bezeichnet. Bei den Schwarzschimmeln u.a. ein Schwarzer mit von außen sichtbaren schilfigen Aufhellungen in den Schwingen. Die anderen machten den genetischen Hintergrund deutlich, denn sie zeigen Färbungen, die denen der „Dunkelmaser“ der Danziger Hochflieger ähnelten. Die „Blauschimmel“ waren eine hellere Variante davon und die Rotschimmel dürften darüber hinaus das rezessive Rot besitzen, so dass – nicht unattraktive – verwaschen erscheinende „Rotgemaserte entstehen, die sich durch die unklarere Maserung und den helleren Kopf aber von den rotgemaserten Spaniertauben deutlich unterscheiden.

   

Carrier blaugemasert (26343) und rotgemasert (26345)                    Spanier rot-gemasert (3454)

Deutsche Modeneser Schietti wurden gleich in drei genetisch zusammenhängenden Farbenschlägen vorgestellt, und zwar eisfarbig mit schwarzen Binden, eisfarbig ohne Binden und eisfarbig blaugehämmert. Einer der Blaugehämmerten war offenbar reinerbig für die Hämmerung und zeigte daher eine etwas dunklere Hämmerung. Damit wird bei anderen Rassen unterschiedlich umgegangen. Bei einigen werden die Varianten zwischen dunklerer und hellerer Hämmerung toleriert, bei anderen Rassen macht man daraus zwei Farbenschläge, nämlich blaugehämmert und –dunkelgehämmert.

     

  Deutsche Modeneser eisfarbig mit Binden (26347  Trignino Gazzi dunkel bronzeschildig (26357)

Die schön anzuschauenden Triganino Modeneser Gazzi dunkel bronzeschilding in der Sichtung sind tatsächlich noch nicht anerkannt. Bisher finden sich im Standard nur die Schwarz-bronzegehämmerten und -bronzebindigen und Blaufahlsulfurschildige. Es handelte sich auch korrekt, wie gemeldet, um dunkle Tiere und nicht um schwarze, was man wegen der anerkannten schwarzgrundigen Farbenschläge hätte vermuten können.

Die Sächsischen Kröpfer hellblau mit weißen Binden machten ein einheitlicheres Bild als bei früheren Auftritten und kamen ausnahmslos in den g und sg-Bereich. Farblich sind es typische bindige dominant Opalfarbene, wie man sie ähnlich gefärbt auch bei einigen Trommeltaubenrassen findet.

    

      Sächsischer Kröpfer hellblau mit weißen Binden (26362)  Thüringer Schildtauben (26370)

Hellgrau-dunkelgesäumt ist die Bezeichnung des Farbenschlages, der bei den Thüringer Schildtauben als dunkel-gesäumt zur Sichtung gestellt wurde, wobei sich noch zusätzlich einige Tiere in einer Voliere fanden. Die Tiere in Käfig Nr. 26367 und in 26370 machten die Spannbreite in der Intensität der Säumung deutlich, die z.B. bei den Kölner Tümmlern zum dunkleren Typ tendiert, der für die Schildtauben in 26370 gezeigt wurde. Genetisch sind es Reducedfarbene mit dem Farbausbreitungsfaktor, die inzwischen auch Anhänger bei anderen Rassen gefunden haben. Thüringer Mondtauben in gelb ohne Binden standen ebenfalls zur Sichtung. Hier zeigt sich, wie sinnvoll eine großzügigere und weniger diskriminierende AOC sein könne, denn natürlich lässt sich die hohlige Zeichnung (ohne Binden) auf die Mondtauben übertragen. Warum sollte jemand, bei dem zufällig einmal ein solches Tier fällt, dieses nicht regulär ausstellen dürfen? Wen stört es, wenn jemand aus einer vielleicht auch nur zeitlich begrenzten Neigung solche Tiere züchten und ausstellen will? Dazu ein kompliziertes An- und nach dem Wunsche vieler auch noch ein Aberkennungsverfahren zu organisieren erscheint als unnötige Zeit- und Kraftanstrengung für alle Beteiligten. Glanztauben schwarz mit Spitzkappe wurden erstmals im Vorstellungsverfahren gezeigt, typmäßig wird jetzt wohl eine etwas schwererer Typ als bei der ersten Sichtung vor zwei Jahren präferiert, auch hier überwiegend g und sg-Noten.

        

        Luzerner Schild  rotgesäumt (26394)              Arabische Trommeltaube gelbfahl (26408)

Luzerner Schildtauben in rotgesäumt (8) und gelbgesäumt (1) sollen die reichliche Farbpalette der anerkannten Farbenschläge erweitern. Farblich entsprechen sie den rotgesäumten Altdeutschen Mövchen, oder zumindest einigen von ihnen. Traditionell finden sich bei den Rotgesäumten vieler Rassen unterschiedliche Typen, zu einem großen Teil sind es genetisch Aschfahle mit teilweise rötlicher Säumung im Schild, auch die Strawberry (Erdbeerbarbene der Norwich-Kröpfer) zählen dazu. Bei schildigen Tieren ist der Genotyp besonders schwer einzuschätzen, weil die bei diesen weiße Flügel- und Schwanzfärbung keine weiteren Hinweise geben kann. Arabische Trommeltauben in gelbfahl erreichten in der Vorstellung zur Hälfte die Note sg. Altenburger Trommeltauben in mehllicht ohne Binden besaßen im Vergleich zu den Blaufahlen eine Ockerbrust.

    

 Einfarbiges Mövchen andalusierfarbig (24416)   Altorientalische Mövchen Satinette blaugeschuppt (26424)

Auch die traditionellen Einfarbigen Mövchen (African Owl) erschienen mit Andalusierfarbenen in einem neuen Outfit. Wie schon bei einigen anderen Rassen geschehen, finden einige Züchter nach erreichter Hochzüchtung einer Rasse wieder den Urtyp interessant, der Berichten zufolge auf dem Balkan und in einigen anderen Ländern im Schatte die Modernisierungswelle überlebt hat. In Nürnberg wurden gleich zehn Altorientalische Mövchen Satinetten glatt- und spitzkappig in den Farbenschlägen blau mit weißen Binden und blau geschuppt zur Sichtung gezeigt. Barbarisi-Mövchen, die u.a. bereits in Blau mit schwarzen Binden anerkannt sind, wurden in blaugehämmert zur Sichtung gestellt. Die Burmali Mövchen haben im Gegensatz zu den glattköpfigen Barbarisi-Mövchen eine Spitzkappe und wurden in blau mit schwarzen Binden, blaugehämmert und rotfahl vorgestellt. Ein Problem in der Scheckung und gleichzeitig für die Augenfärbung sind die farbigen Backen, die Burmali Mövchen neben dem farbigem Schild und farbigem Schwanz auf weißem Grund zeigen.

     

Barbarisi-Mövchen rotfahl (26445)        Habul-Rumman-Mövchen blaugeschuppt (26446)

Habul-Rumman-Mövchen blaugeschuppt wurden auch schon früher gezeigt und kamen zur Hälfte auf eine sg-Bewertung. Neben dem Schild ist auch der Schwanz farbig. Im der Schuppung unterschieden sie sich aber deutlich. Bei den Deutschen Modenesern würde man einige als Blau-hellschildiggesäumt einordnen, andere als Dunkel-Hellschildiggesäumt, bei einigen ging die Aufhellung im Flügelschild schon in Richtung Silberschuppen. Danziger Hochflieger in rot geelstert und gelb geelstert wurden in ähnlichem Typ schon gezeigt. Bei den im Vorjahr in Leipzig bereits in großer Anzahl ausgestellten dunfarbenen (8) und schwarzen (2) Regensburger Tümmlern erreichten die Hälfte sg-Noten. Das traf auch auf die silber geganselten Felegyhazaer Tümmler vor, die das Silber der Lahore zeigten.

    

 Felegyhazer Tümmler silber geganselt (26476) Nordkaukasische Farbenschwänze schwarz (26496)

Die zur Sichtung vorgestellten Nordkaukasischen Farbenschwänze hatten sich im Vergleich zum Vorjahr um den gelben Farbenschlag verstärkt. Die Schwarzen wirkten am wuchtigsten und zeigten, anders als die Roten und Gelben, wieder gut ausgeprägte Augenschirme, die bei diesem Farbenschlag ein Rassemerkmal zu sein scheinen.

Ein eindrucksvolles Bild russischer Züchtungskunst vermittelten die zur Sichtung gezeigten Moskauer Tümmler schwarzgeelstert, die wie Sternschwanztümmler eine weiße Maske zeigen. Die Flügel werden unter dem Schwanz getragen. Ein Unterschied zu den gleichgefärbten schwarzen Kalugaer Tümmler sind die ausgeprägteren Augenringe. Auch der Schnabel ist kürzer und dicker.

     

  Moskauer Tümmler schwarzgeelstert (26500)            Bayerische Hochflieger gelb (26509)

Bei den Bayerischen Hochflugtauben, die dieses mal nur in zwei Farbenschlägen zur Sichtung gestellt wurden, waren die Hinweise „dominant“ rot und „dominant“ gelb wohl als Erklärung dafür gedacht, dass die Schilder nicht so intensiv gefärbt sind wie bei Farbentauben oder auch bei einigen Kropftauben. Auch diese besitzen aber – trotz der intensiven Färbung – das dominante und nicht das rezessive Rot, wie viele Uneingeweihte vermuten. Der Zusatz ist also entbehrlich, weil er bei anderen Rassen auch nicht geführt wird. Interessant wäre es, bei der Neuzüchtung einer Hochflugtaube auch etwas über das Flugverhalten zu erfahren. Bei den alten Tümmler- und Hochflugrassen haben wir uns über die Jahrzehnte daran gewöhnt, dass das Flugvermögen immer mehr abgenommen hat. Dass wir sie noch Hochflieger und Tümmler nennen, das hat mit Nostalgie zu tun und ist durch die Herkunft auch mehr oder minder berechtigt. Bei einer neuen Rasse braucht man schon eine Begründung für die Zuordnung. Denn wenn sie nicht mehr fliegen und ihren Namen auch nicht von ihren Ahnen ableiten können, dann sollte man sie zu den Farben- oder Formentauben tun. Im übrigen sind es ruhige und ausgeglichene Tauben mit einer ansprechenden kurzen Bestrümpfung, die nach dem Geschmack des Berichterstatters auch so kurz gehalten werden sollte.

Die Blagodaner Roller bestachen wieder durch ihre kontrastreiche Scheckung mit weißem Kopf und doppelkuppiger Kopfstruktur, und mit weißem Rückenfleck bei braunrotem Gefieder. Herausforderungen scheint die Zucht genug zu kennen, wozu auch die Augenfärbung zu zählen ist, die noch sehr unterschiedlich war. Den Abschluß dieser Klasse, die immerhin 209 Nummern umfasste, machten vier gelbfahle Elsterpurzler in der Sichtung. Berichte über die AOC und sonstige interessante Erscheinungen folgen.

       

                 Blagodaner Roller rot  (26519)                                 Elsterpurzler gelbfahl (26522)