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Almond und Vielfarbige auf der VDT-Schau in Leipzig 2025. Zum 100-jährigen Jubiläum der Entschlüsselung der Stipper-Gens durch Wriedt und Christie 1925

Almondfarbige Tauben, Vielfarbige, Stipper bei Dänischen Tümmlern, und Sprenkel bei Rollern haben den von Wriedt und Christie in den 1920er Jahren analysierten Stipper-Faktor gemeinsam. Er sorgt bei vielen Farbenschlägen für ein gesprenkeltes Gefieder. Bekannt wurden Tauben mit diesem Faktor zuerst durch den englischen Almond-Tümmler. Für diesen wurde bereits 1764 eine Musterbeschreibung entworfen. Gefordert wurde als Grundfarbe das ‚beste Gelb‘. Die deutsche Musterbeschreibung fordert heute mandelgelb mit über den ganzen Körper verteilten Spritzern. Frühe Zeichnungen, u.a. bei Eaton 1851 und Fulton 1876, machten die Rasse und Färbung populär und zeigten darüber hinaus die in der Zucht verwendeten Nebenfarben. Entschlüsselt wurde der geschlechtsgebundene dominante Erbgang durch die Norweger Wriedt und Christie (1925) bei der Analyse Dänischer Stipper, die den Erbfaktor vor mehr als 150 Jahren durch Kreuzungen mit Englischen Almond-Tümmlern übernommen hatten.

Almond-Tümmler bei Eaton 1851, Orientalische Roller bei Fulton 1876

Um 1870 kamen auch Orientalische Roller aus Asien nach Europa. Bei Fulton in s/w abgebildet mit der Erklärung, es wäre eine ähnliche, aber nicht identische Färbung darunter wie die der Short Faced Almond-Tümmler. Auf dem Kontinent, und zunächst auch in den USA, wurden sie als ‚vielfarbig‘ bezeichnet.

Einige Kollektionen vielfarbiger Tauben auf der VDT-Schau in Leipzig 2025 zeigten, warum es neben dem Farbenschlag ‚Almond‘ nicht nur bei den Orientalischen Rollern den Farbenschlag ‚Vielfarbige‘ gibt. Die auf die historische Musterbeschreibung der almondfarbigen kurzschnäbligen Tümmler zurückgehende Beschreibung der Almondfärbung scheint für die Züchter anderer Rassen zu eng und schränkt den von vielen Züchtern gewünschten und genutzten Spielraum unnötig ein.

Bei den Englischen Short Faced wurden auf der Schau in Leipzig neben Almonds in der Zucht eingesetzte Komplementärfarben wie Rot Agate und Kite gezeigt.

Englischer Short Faced Jungtäuber Almond und Englische Short Faced Jungtäubin Kite als Komplementärfarbe

Bei den Orientalische Roller zeigte sich die große Variationsbreite der Färbung. Almondfarbene erfüllen die Kriterien der Vielfarbigen, aber die meisten Vielfarbigen entsprechen nicht der Almondfärbung. Bei einer weißen Grundfarbe mit schwarzen Sprenkeln erhält man Schwarzsprenkel. Bei diesen findet sich gelegentlich etwas rötliche Färbung im Halsbereich. Das macht aus ihnen aber noch keine Vielfarbigen.

Orientalische Roller vielfarbig und ein Schwarzsprenkel auf der VDT-Schau Leipzig 2025

Auch bei den vielfarbigen Danziger Hochfliegern wurde die Komplementärfarbe ‚Kite‘ ausgestellt. Die Vielfarbigen sind in dieser Rasse ein junger Farbenschlag, der in den letzten Jahrzehnten herausgezüchtet wurde.

Danziger Hochflieger vielfarbig und ein Kite als Komplementärfarbe auf der VDT-Schau Leipzig 2025

Einer der Niederländischen Hochflieger in der AOC-Klasse mit einer typischen Färbung von Vielfarbigen, ein anderer ohne jede Sprenkelung im Halsbereich. Einige Leitlinien des Standards sollten auch bei Vielfarbigen beachtet werden.

Niederländische Hochflieger vielfarbig auf der VDT-Schau Leipzig 2025

 

Keine Rose ohne Dornen! Das in der MB von 1764 geforderte beste ‚Gelb‘ ist nur unter Mitwirkung des Verdünnungsfaktors zu erreichen. Das macht in Reinzucht Probleme. Schon Fulton 1876 war bekannt, dass bei der Verpaarung zweier Almonds in der Nachzucht bei reinerbigen Täubern Vitalitätsprobleme auftauchen. Auch farblich erfüllen sie mit überwiegend weißem Gefieder weder die Ansprüche an Almonds noch an Vielfarbige. Einige dieser Weißen sind zuchtfähig, zeigten bei genauerer Betrachtung aber Probleme in der Motorik und im Freiflug. Daher, wie schon vorher Eaton, gibt auch Fulton eine ausführliche Darstellung der in der Zucht eingesetzten Komplementärfarben. Das sind vor allem Kites und Agates. Der Einsatz der Komplementärfarben in der Zucht wird heute aus Gründen des Tierschutzes in den Zuchtrichtlinien verlangt. Zwei Träger des Stipper-Gens dürfen nicht miteinander verpaart werden, weil daraus u.a. auch reinerbige Jungtäuber mit Defekten fallen. Bei der Verpaarung von Vielfarbigen und Almonds jeweils mit den Nebenfarben tritt das nicht ein.

Quelle: Axel Sell/Jana Sell, Genetik der Haustaube, Achim 2025

In sozialen Medien wird gelegentlich mit erkennbarem Stolz verkündet, dass entgegen der allgemeinen Erwartung aus der Verpaarung zweier Vielfarbiger auch vitale Täuber gefallen seien. Die Verfasser solcher Aussagen haben etwas falsch verstanden. Nicht alle, aber die Hälfte der Jungtäuber wird Defekte haben oder vor dem Schlupf absterben. Das genügt als Kriterium für eine Qualzucht.  Bei einigen dieser Berichte über erfolgreiche Aufzucht reinerbiger Täuber wird es sich um eine Verwechselung handeln. Bei Faded z.B., einem Allel des Stippergens, sind reinerbige Jungtäuber vital und können im Erscheinungsbild mit Stippern und Schwarzsprenkeln verwechselt werden. In jedem Fall erzeugen solche Meldungen nach außen den Eindruck, dass die Zuchtgebote in der Rassetaubenzucht ungenügend kommuniziert werden und vielen Taubenhaltern genetische Grundkenntnisse fehlen. Das kann negative Rückwirkungen auf die gesamte Taubenzucht haben.

Literatur:

Eaton, J.M., A Treatise on the Art of Breeding and Managing the Almond Tumbler, Published for the Author, London 1851

Fulton, R., The Illustrated Book of Pigeons, London u.a. 1876

Sell, A., und Jana Sell, Genetik der Haustaube, Achim 2025

Wriedt, W., und W. Christie, Zur Genetik der gesprenkelten Haustaube. Zeitschrift für induktive Abstammungs- und Vererbungslehre 38 (1925), 271-306.